Die leicht verrückte Geschichte des P'tit Train

Der P'tit Train fährt in Valangin seit dem 6. September 1986. Hier nun seine leicht verrückte Entstehungsgeschichte.

Ein paar Kumpel

Es war einmal ein verschlafenes kleines Dorf und ein paar Jugendliche, die ihm etwas Leben einhauchen wollten. Unter dem Namen SEVE ("Société d'Emulation de Valangin et Environs") hatten sie schon die Foire aux Puces ins Leben gerufen, einen Flohmarkt mit etwa 70 Ständen im Altstädtchen und um die Kirche herum. Der Flohmarkt war ein Erfolg, fand aber nur einmal im Jahr statt. Die Jungs und Mädels träumten jedoch von einer Attraktion, die das ganze Jahr über Besucher nach Valangin bringen würde.

Eine Idee

Während einer Belgienreise entdeckten die Jungen die dort üblichen Pleines de Jeux. In der Schweiz gab es damals kaum etwas Vergleichbares zu diesen Spielparks mit Eisenbähnchen als Touristenattraktion, wie den Chemin de Fer à Vapeur des 3 Vallées. An Ideen fehlte es also nicht - nur an einer guten Gelegenheit. Bis eines Tages Alain, ein Mitglied der Gruppe, auf einem Schrottplatz in der Nähe ein Freizeitpark-Eisenbähnchen sah, das für die Stahlpresse bestimmt war. Der Preis, den der Betreiber zuerst nannte war jedoch so hoch, dass die Jungs der SEVE darauf nicht eingingen. Am 27. Dezember 1985 - die Möbelfabrik Fuchs war gerade in Liquidation und Annemarie und Pierre waren am Möbel Verladen - kam Alain vorbei und rief ihnen zu: Anker gibt das Bähnchen für 600 Franken, was soll ich ihm sagen? Ein Blickwechsel und es war entschieden: Wir kaufen es! Das war der Beginn des Abenteuers.

Ein Gelände

Jetzt hatte die SEVE ein Bähnchen. Als Nächstes brauchten wir ein Stück Land, gross genug und möglichst flach. Allein das ist in Valangin fast ein Ding der Unmöglichkeit. Im Graben hinter dem Schloss, am Ufer des Seyon, gab es ein Stück Brachland im Besitz von Jean-Louis Touchon. Wir erzählten ihm unsere Vision und er war bereit, uns das Land gratis zur Verfügung zu stellen. Die einzige Bedingung war, dass wir uns darum kümmern und dass wir den Kanal, der bis 1973 dort durchfloss, wieder öffneten. Seither dürfen wir Herrn Touchons Land kostenlos nutzen.

Ein Gleis

Nun hatten wir Bähnchen und Land, aber immer noch keine Schienen. Beim Bähnchen war ein Kreis dabei, der hatte aber nur einen Durchmesser von 8 Metern. Unser Traum war viel grösser! Wir klapperten sämtliche Sägereien der Gegend ab und fanden dabei viele Meter Schienen, die nicht mehr gebraucht wurden, und sogar eine oder zwei Weichen. Aber es war immer noch nicht genug. Und nun? Im Radio Suisse Romande gab es eine Sendung namens 5 sur 5 - Service d'assistance scolaire. Pierre hatte die Idee, dort einen Aufruf zu starten. Die Sendung wurde mittags ausgestrahlt. Die ganze Romandie hörte zu, auch zahlreiche Journalisten, die uns nach der Sendung anriefen und über unser Projekt berichten wollten. In allen Tageszeitungen erschienen Artikel. Menschen von überall her meldeten sich bei uns: In einem Hinterhof und in einer Torfstecherei lagen noch ein paar Meter Schienen, und bei einer abbruchreifen Sägemühle eine Weiche und ein Wagen... Endlich hatten wir genug Schienenmaterial. Reynald und seine Firma Electrolevage SA halfen uns, das Material nach Valangin zu transportieren. Und so hatte die SEVE schliesslich mehr Schienen als nötig.

Ein Antrieb

Die meisten der Schienen, die aus Sägewerken der Region stammten, hatten einen Schienenabstand von 60cm. Die Spurbreite unseres Bähnchens war aber 50cm. Der Motor des Bähnchens benötigte ausserdem für die Stromabnahme eine dritte, mittlere Schiene. Das funktionierte mit der Anlage, die wir hatten, nicht. Das Fahrgestell unseres Bähnchens musste so umgebaut werden, dass es mit den neuen Schienen betrieben werden konnte. Ausserdem brauchten wir einen neuen Motor. Wir bauten alte Auto-Lichtmaschinen um und seither funktioniert der Zug damit. Das Bähnchen selber haben wir auseinander gebaut, restauriert und in den Farben von Valangin neu gestrichen.

Die Besucherinnen und Besucher

Die Liste aller erledigten Arbeiten und aller Personen, die auf diese oder jene Weise dem P'tit Train zum Leben verholfen haben, würde viel zu lang werden. Deshalb bedanken wir uns an dieser Stelle bei ihnen allen für ihre Mithilfe und Unterstützung. Der P'tit Train von Valangin wurde am 6. September 1986 mit einem Fest eingeweiht und fährt seither von Karfreitag bis Allerheiligen jedes Wochenende, an Samstagen, Sonn- und Feiertagen von 14:00 bis 18:00 seine Runden. Der Preis ist übrigens immer derselbe geblieben: 1.50 für eine Einzelfahrt, 10.-- für eine 10-Fahrten-Karte.